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Neuester Anziehungspunkt
im Gelände des Museums - Das Hexenhaus
Am 15. August 2009 war es
soweit.
Im Rahmen der Königlichen
Urlaubsmesse und im Beisein zahlreicher Hoheiten aus ganz
Deutschland und vielen Gästen ertönte zum ersten Male ein
furchteregendes Getöse in unserem Hexenhaus. Quietschend
öffneten sich die Türen und die Hexe Babajaga erschien wie
von Geisterhand. Und während die Hexe immer weiter aus ihrer
Hütte kommt, kann der Zuschauer dem Märchen von der bösen
Hexe lauschen. |
Sehr viele Menschen kennen
die Hexe Babajaga - spielte sie doch in vielen russischen
Märchenfilmen immer wieder mal ein paar Neben-, aber auch
Hauptrollen.
Eines dieser unzähligen und
fesselnden Märchen lieferte war die Vorlage für unser
Hexenhaus.
Hier die Kurzform:
Vor langer
Zeit lebten in einem fernen Dorf ein Mann und eine Frau mit
ihrer Tochter. Eines Tages wurde die Frau plötzlich krank
und verstarb kurz darauf. Nach einer Weile nahm sich der
Mann eine neue Frau und heiratete wieder. Nun war seine
zweite Frau aber ein böses Weib, von Anfang an hat ihr ihre
Stieftochter missfallen, sie hat sie ständig gescholten und
geschlagen. Mit allen Mitteln wollte sie das Mädchen
loswerden.
Eines Tages, als der Mann weggefahren war, sprach die
Stiefmutter zu dem Mädchen:
"Geh zu meiner Schwester, bitte sie darum, mir Nadel und
Zwirn zu geben, um dir ein Kleid zu nähen“.
Ihre Schwester aber war die Baba-Jaga, die grausige Hexe.
Doch das
Mädchen wagte es nicht, Ihrer Stiefmutter zu widersprechen
und ging aus dem Haus. Auf dem Weg schaute sie aber bei
ihrer Tante vorbei.
"Guten Tag, liebe Tante“.
"Grüße
dich! Was führt dich zu mir?"
„Meine Stiefmutter hat mich zu ihrer Schwester geschickt, um
Nadel und Zwirn zu holen“.
"Du hast sehr recht daran getan, dass du vorher zu mir
gekommen bist!" - antwortete die Tante.
"Nimm dieses Band, dieses Brot, das Öl und das Stück
Fleisch. Eine Birke wird dich mit ihren Ästen schlagen und
beim Gehen stören wollen, binde ihre Äste mit dem Band
zusammen. Das Tor wird quietschen und knallen und wird dich
nicht passieren lassen, du musst die Angeln mit dem Öl
bestreichen. Die Hunde werden dich beißen und reißen, also
gib ihnen das Brot. Der Kater wird versuchen dein Gesicht
und deine Augen zu zerkratzen, aber du gibst ihm das
Fleisch“.
Das Mädchen prägte sich alles gut ein, bedankte sich und
machte sich auf den Weg. Sie ging immer weiter und weiter
und kam schließlich in den Wald.
Dort sah sie hinter einem hohen Zaun Baba-Jagas Hütte auf
Hühnerfüßen stehen, in der Hütte saß die knöcherne Hexe und
webte.
"Guten Tag, Großmutter“.
"Guten
Tag, Mädchen. Was willst du von mir?"
"Meine Stiefmutter hat mich zu dir geschickt mit der Bitte
um Nadel und Zwirn, damit sie mir ein Kleid nähen kann“.
"Du sollst alles bekommen, aber vorher setze dich und webe“.
Das Mädchen setzte sich ans Fenster und begann zu weben.
Dann verließ Baba-Jaga das Zimmer und sprach zu ihrem
Dienstmädchen:
"Ich gehe jetzt ins Bett. Du sollst die Banja (Sauna) heizen
und das Mädchen gründlich waschen, wenn ich aufwache, fresse
ich das kleine Ding auf".
Das Mädchen aber hörte ihre Worte und erschrak. Nachdem
Baba-Jaga gegangen war, bat sie die Magd:
"Erbarme dich, zünde nicht das Feuer im Ofen an, sondern
gieße Wasser darüber" - und sie schenkte ihr ein Tuch.
Als Baba-Jaga während der Nacht aufwachte, fragte sie:
"Webst du, meine Liebe?" "Ich webe, Tantchen“ - antwortete
das Mädchen und wendete sich an den Kater:
"Brüderchen Kater, sag mir, wie kann ich von hier fliehen?"
Dann gab sie ihm das Fleisch, damit er ihr nicht das Gesicht
zerkratzte.
Der Kater sprach: "Hör mir gut zu. Schau, auf dem Tisch
liegt ein Handtuch und ein Kamm. Nimm beide und laufe
schnell davon. Baba-Jaga wird dich verfolgen. Du läufst aber
immer weiter, ab und zu musst du dich nur auf den Boden
legen und dich mit dem Ohr an die Erde lehnen. Wenn du
hörst, dass die Baba-Jaga schon ganz nah ist, so wirf den
Kamm auf die Erde. An dieser Stelle wird sofort ein dichter
Wald entstehen. Während Baba-Jaga den Wald passiert, musst
du aus allen Kräften weiterlaufen. Wenn du wieder hörst,
dass Baba-Jaga ganz nahe ist, dann wirf das Handtuch auf den
Boden. An dieser Stelle wird sofort ein breiter Fluss
entstehen.“ "Vielen Dank, Brüderchen Kater" - erwiderte das
Mädchen, bedankte sich, nahm den Kamm und das Handtuch und
lief aus der Hütte.
Alsbald sprangen die Hunde auf sie und wollten das Mädchen
in Stücke reißen. Es gab ihnen aber das Brot und sie ließen
es sofort in Ruhe. Das Tor quietschte und wollte sich vor
ihr schließen. Das Mädchen aber ölte Angeln und sofort ließ
es das Tor durch. Die Birke breitete ihre Äste aus, um es
aufzuhalten. Doch das Mädchen knotete die Äste mit dem Band
zusammen und die Birke ließ es weiterlaufen.
Dann rannte das Mädchen aus vollen Kräften, ohne
zurückzuschauen. Inzwischen hatte der Kater Platz am Fenster
genommen und begonnen zu weben. Baba-Jaga wachte auf und
fragte:
"Webst du, Mädchen? Webst du, Liebe?"
Der Kater antwortete: "Ich webe, Tantchen“.
Baba-Jaga lief ins Zimmer und sah: Anstatt des Mädchens saß
der Kater am Fenster und webte. Da wurde sie zornig:
"Du Betrüger, du Räuber! Warum hast du das Mädchen nicht
aufgehalten? Weshalb hast du ihm nicht das Gesicht und die
Augen zerkratzt?“
Der Kater sprach:
"Ich diene dir nun schon seit vielen Jahren, doch hast du mir nie
etwas geschenkt, nicht einmal einen Knochen. Das Mädchen aber hat
mir ein Stück Fleisch gegeben!"
Baba-Jaga lief aus der Hütte und fragte die Hunde: "Warum habt ihr
das Mädchen nicht in Stücke gerissen, warum habt ihr sie nicht
gebissen?"
"Wir stehen schon seit so vielen Jahren in deinen Diensten. Doch du
gibst uns nicht einmal eine trockene Brotrinde zu fressen. Das
Mädchen aber hat uns ein ganzes Brot gereicht!"
Baba-Jaga lief auf das Tor zu: "Warum hast du nicht gequietscht,
nicht geknallt? Warum hast du das Mädchen durchgelassen?"
"Ich diene dir schon seit vielen Jahren. Doch du kümmerst dich nie
um mich. Das Mädchen aber hat meine Angeln mit geölt!"
Baba-Jaga lief auf die Birke zu: "Warum hast du die Augen des
Mädchens nicht mit deinen Ästen zerstochen?"
Die Birke antwortete: "Ich diene dir schon seit vielen Jahren. Doch
schenkst du mir nicht einmal einen Zwirn. Das Mädchen aber hat mir
ein Band gegeben!"
Da begann Baba-Jaga die Magd zu beschimpfen: "Du bist wirklich dumm!
Wieso hast du mich nicht geweckt? Warum hast du nicht gerufen? Warum
hast du dem Mädchen gestattet wegzulaufen?"
"Ich arbeite bei dir seit so vielen Jahren. Doch ich höre von dir
nie auch nur ein nettes Wort. Das Mädchen aber hat mir ein Tuch
geschenkt!"
Da stieg Baba-Jaga in ihren fliegenden Mörser und nahm die
Verfolgung auf. Mit dem Stößel beschleunigte sie, mit dem Besen
verbarg sie ihre Spur.
Währenddessen lief das Mädchen weiter und weiter. Nach einer Weile
legte sie sich auf den Boden und hörte, wie die Erde zitterte und
bebte. Da wurde dem Mädchen klar, dass Baba-Jaga schon ganz in der
Nähe war. Es holte den Kamm heraus und warf ihn über die rechte
Schulter auf die Erde. An dieser Stelle entstand sofort ein hoher
Wald. Die Wurzeln der Bäume gruben sich tief ins Erdreich, die
Gipfel ragten den Himmel. Und da kam schon Baba-Jaga angeflogen, sie
versuchte den Wald zu passieren, doch sie stieß gegen die Bäume. Um
hindurchzukommen, musste sie die Bäume umknicken und die Äste
durchbeißen, das Mädchen aber machte keine Pause und lief weiter. Ob
lang, ob kurz, hörte das Mädchen die Erde wieder erzittern.
Baba-Jaga war wieder ganz nah! Das Mädchen nahm das Handtuch und
warf es über die rechte Schulter auf die Erde. An der Stelle
entstand sofort ein Fluss, sehr tief und sehr breit. Baba-Jaga
gelangte ans Ufer und musste vor Zorn mit den Zähnen knirschen. Sie
konnte nicht über den Fluss! Sie kehrte zurück und trieb eine Herde
von Stieren zu dem Fluss und zwang sie, das Wasser zu trinken. Die
Stiere tranken und tranken, das Wasser wurde aber nicht weniger. Da
wurde Baba-Jaga wild vor Wut. Sie legte sich ans Ufer und begann
selbst zu trinken, sie trank, trank und trank, bis sie schließlich
platzte!
Am Abend kehrte der Vater des Mädchens nach Hause zurück und fragte
seine Frau:
"Wo ist denn meine Tochter?"
"Sie ist zu meiner Schwester gegangen, um sie um Zwirn und um eine
Nadel zu bitten. Sie ist noch nicht wieder zurückgekommen“.
Als der Vater schon die Tochter suchen gehen wollte, lief das
Mädchen schließlich ins Haus herein, vom Laufen ganz außer Atem.
"Wo warst du denn?" - fragte sie der Vater.
"Oh, Vater! Die Stiefmutter hat mich zu ihrer Schwester geschickt,
ihre Schwester aber ist die Baba-Jaga, die knöcherne Hexe! Sie
wollte mich fressen, ich konnte ihr gerade noch entkommen“.
Als der Vater das erfuhr, nahm er einen schmutzigen Besen und
vertrieb damit das böse Weib aus dem Haus. Seitdem wohnte er mit
seiner Tochter zusammen, glücklich und im Wohlstand. und damit ist
auch das Märchen zu Ende.
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